Vereinsgeschichte

 

Am 29. Januar 1905 waren es dreißig radsportbegeisterte junge Finther Männer, die im Gasthaus „Zur goldenen Krone“, in dessen Sälen der Verein noch lange Jahre sein Domizil hatte, den Grundstein zur Vereinsgeschichte legten und den Bauunternehmer Jakob Struth zu ihrem ersten Vorsitzenden wählten.
Weiter waren Jean Datz, Philipp Eisinger, Jakob Sylvester Frenz, Karl Schneider, Josef Seckert und Ludwig Seckert ihre aktivsten Radsportfreunde im Vorstand.

Da nach kurzer Zeit bereits Jakob Struth aus geschäftlichen Gründen den Vorsitz niederlegte, wurde einstimmig Jean Datz an die Spitze des Vereins berufen, den er bis zu seinem Tode am 09. März 1921 leitete, wobei er die aufstrebende Entwicklung des Vereinslebens mehr als 15 Jahre überwachte.
Er war es vor allem, der den ursprünglich kleinen Kreis von Mitgliedern zu einem der größten und erfolgreichsten Finther Ortsvereine ausbaute und durch die Gewinnung zahlreicher junger Radsportfreunde auch die Zukunft des Vereins sicherte.
Es zeigten sich auch schon bald die Früchte dieser Aufbauarbeit an den zahlreichen Siegen bei den großen Radsportfesten in der Umgebung und bei der Mitarbeit im Gauvorstand.

Das erste große Fest mit Bannerweihe wurde bereits ein Jahr nach der Gründung, am 20. und 21. Mai 1906 unter Beteiligung aller damaligen Finther Ortsvereine und des gesamten Dorfes (zu diesem Zeitpunkt hatte Finthen etwa 2800 Einwohner) gefeiert.

Die Reihe der siegreichen Jahre gipfelte in den Feiern zum 20- und 25-jährigem Jubiläum 1925 bzw. 1930, wobei ein stattliches Aufgebot an Reigen-Kunstfahrern und Radball-Mannschaften in Finthen zu Gast war.

Diese beiden großen Feste und die großen sportlichen Erfolge trugen dazu bei, dass der Finther Verein innerhalb des rheinischen Raumes und später sogar bundesweit eine besondere Bedeutung erlangte. Dabei konnten die Siegestrophäen unter anderem auch mit 2 zweiten Plätzen bei den Deutschen Meisterschaften im 6er Kunstfahren vergrößert werden.

Zwischenzeitlich kamen die beiden großen Weltkriege, die vor allem im Zweiten Weltkrieg dem Vereinsleben große Rückschläge beibrachten, es aber nie ganz zum Erliegen bringen konnten.

Im Jahre 1948 erfolgte dann wieder unter dem Ersten Vorsitzenden Franz Erlenbach die formelle Wiedergründung unseres Vereins.

Da die Nachkriegszeit nun wirklich andere Sorgen bereitete, als die Wiederbelebung des Vereinslebens, ging die Entwicklung unseres Vereins in den ersten Nachkriegsjahren sehr langsam voran.
Erst als die alten, durch den Krieg beschädigten Kunsträder durch neue ersetzt werden konnten, konnte die Jugend erneut für den Kunstradsport begeistert werden. Plötzlich wurde es notwendig, beide Säle des Gasthauses „Zur Krone“ für das Training zu nutzen, damit alle Mannschaften ausreichend Gelegenheit zum Training hatten.
In diesen Jahren wurden dann auch wieder beachtliche Erfolge bei den stattfindenden Meisterschaften und den in dieser Zeit üblichen Korsofahrten auf Bezirks- und Verbandsebene erzielt.

Die Krönung der damaligen Vereinsarbeit war dann auch die Ausrichtung des Festes zum 50jährigen Bestehen unseres Vereins vom 20. bis zum 22. August 1955.
An diesem Fest beteiligten sich über 30 Vereine mit über 130 Mannschaften und Einzelfahrern sowie mehreren starken Radball-Mannschaften.

Die Reihe der Feste wurde dann am 01. und 02. Mai 1965 mit der 60-Jahrfeier fortgesetzt, welches mit der Ausrichtung des Bezirksfestes des Bezirkes I des Radsport-Verbandes Mittelrhein verbunden wurde.

Dann kam die Zeit, in der durch Verpachtung der beiden Säle des Gasthauses „Zur Krone“ der Trainingsbetrieb sehr eingeschränkt wurde. Zusammen mit vielen anderen Vereinen musste man sich nun die Schulturnhalle in der Lambertstrasse teilen.
Dies war Grund genug, sich im damaligen Vorstand intensiv mit diesem Problem zu beschäftigen. Nach langen Beratungen kam man schließlich zum Entschluss, sich mit dem damaligen Pfarrer, Herrn Sylvester Hainz, an einen Tisch zu setzen und über Lösungsmöglichkeiten nachzudenken.

Ein für den ganzen Verein glückliches Ergebnis dieser Beratungen war dann die Pachtung eines Teils des damaligen Pfarrgartens in Erbpacht, der zum Bau einer eigenen Halle genutzt werden sollte.
Nun ging es in Selbsthilfe mit finanzieller Unterstützung der Stadt Mainz, der damaligen Ortsverwaltung, dem Sportbund Rheinhessen sowie dem Radsportverband Mittelrhein an den Hallenbau.
Dieser war aber trotzdem nur durch die tatkräftige Unterstützung in materieller und finanzieller Art durch unsere Mitglieder, Freunde und Gönner möglich.

Somit konnte nach etwa 3-jähriger Bauzeit von 1970 bis 1972 die eigene Halle für den Trainingsbetrieb genutzt werden.

Die Möglichkeiten zum intensiven Training zahlten sich schon bald in Form eines Titels des „Deutschen Meisters im 6er Kunstfahren der Juniorinnen“ aus, der im Jahre 1972 errungen werden konnte. Dies war der Startschuss zu einer Reihe wertvoller Siege auf allen Ebenen des nationalen und internationalen Kunstradsportes.

Unter der fachmännischen Anleitung von Werner Weil errangen seine beiden Söhne Andreas und Sascha Weil in den kommenden Jahren viele Titel als „Deutscher Meister“, „Europa-Meister“ und „World Games Sieger“.
Der verdiente Lohn aller Arbeit war für die Drei aber schließlich der Gewinn der „Weltmeisterschaft 1989“.

Aber der Erfolg war nicht nur auf diesen kleinen Kreis beschränkt Viele Jahre stellte unser Verein hervorragende Sportler im 2er Kunstfahren der Frauen und im 4er Kunstfahren der Frauen und Männer.

Auch der Nachwuchsbereich konnte und kann noch heute mit vielen Talenten und Erfolgen im Einzel- und Mannschaftsfahren aufwarten.

Der Radfahrer-Verein 1905 ist stolz, Sportler und Trainer dieses Formats in seinen Reihen zu wissen, verbunden mit einem überall die vielen Jahre funktionierenden Vorstand, der erst die Grundlagen und Voraussetzungen für eine erfolgreiche Vereinsarbeit schafft.

In einer Zeit, in der junge Leute von Angeboten im Freizeit- und Sportbereich geradezu überflutet werden und in der von den noch im Beruf stehenden Vorstandsmitgliedern immer mehr abverlangt wird, ist es bewundernswert, dass sich unser Verein heute noch immer als funktionierender Zusammenschluss Gleichgesinnter versteht.

Dies ist vor allem allen unseren bisherigen Ersten Vorsitzenden zu verdanken, die es immer wieder geschafft haben, alle Strömungen unseres Vereins zu einem gemeinsamen Fahrwasser zu vereinen und damit den Fortbestand unseres Vereines zu garantieren.